Körpernormen, Rassismus, Objektivierung
Gleich drei Dinge auf einmal…das geht nun wirklich nicht!
Da geht noch mehr! [der erste ‚bunte‘ absatz ist aus werbespruchzitaten zusammengesetzt und
etwas lai_innenhaft als krass überhöhte story zusammengetüftelt, die somit
vielleicht die uns ständig präsente wirkung von werbung klarmacht.]
„24 h open“, damit die „woman at work“ auch bei kleinen Anlaufschwierigkeiten dem „do it yourself“ Gedanken folgt und sich wieder einmal den Mund fusselig redet, damit ihr Traumtyp nicht „die Beziehung erstmal auf Eis legt“ und sie vielleicht gleich mit. Obwohl…dann wäre in besagter Eistruhe nicht mehr so viel Platz für all die Leckereien, an denen er „seine Zunge reisen lässt“, um ihrer nicht mehr vorhandenen Bikinifigur exotische Genüsse entgegenzusetzen. Das kann der „kommende Winter“ auch nicht verbergen.
Nun denkt sich der Traumtyp: mit „20 Prozent für meine Alte + Gratis Entsorgung“ hab ich’s doch drin, kann einen auf „London Lover“ machen und mir die Ladies klarmachen.„Sweeter than Candy. Better than Cake“ in der Weltmetropole, wo es all die „Super Kisten“ hinzieht aus ihren Eingeborenendörfern. „Denn irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas“ und ich hab viel zu bieten. Also ich werde es haben, – mir ein „Sixpack that melts a girls heart“ zulegen und einen Benz mit „8 Airbags.“ Das wollen die Frauen. Gefügig gemacht werden mit einem heißen Drink mit „authentically brasilian Cachaca“ oder meine „Bierbitzch“ sein. Und dass ich ihnen den Hengst mache „für lange Nächte.“
!!! UND UNS IST JETZT SCHON ÜBEL !!!
Upsi – reingetappt! Naja. So schnell geht’s dann doch, sich in der Werbedenkschiene zu verheddern. Es ist so einfach, sich die Botschaften verschiedenster Werbungen zu nehmen und daraus eine kleine Geschichte zu basteln. Die Geschichte unserer Wahrnehmung.
Wir alle leben mit Botschaften, die mehr oder weniger unterschwellig mitteilen, was „Frauen“ zu bedienen haben. Sie sollen die angenehmen Seiten des Lebens herstellen:
- Durch ihre Optik, die sie den unterstellten Phantasien von „Männern“ anzupassen haben. Denn „Frauen“ begehren hier immer nur „Männer“ und umgekehrt. Tun sie dies in ein bis zwei Fällen nicht, sind die dargestellten, sich begehrenden „Frauen“ den „männlichen“ Beobachter_innen zur Schau gestellt. Dabei wird wieder vermittelt, dass dies eine „männliche“ Phantasie sei. Sie wird zugleich mit Normen angereichert wie „Frauen“, die zur Luststeigerung von „Männern“ handeln, dann gefälligst auszusehen haben.
- Durch ihr Objekt sein. Denn sie werden genommen, verniedlicht, ihnen wird sinnhaftes Handeln abgesprochen und sie haben zu funktionieren innerhalb dieses Korsetts.
Wir werden überflutet von „Männer“-bildern, die Stärke, Härte, die Macherpose und Denkerposition innehaben.
- Durch die ständig wiedergekäuten Verhaltensmuster. Sie haben alles, was sie brauchen oder nehmen es sich einfach. Denn das können sie ja oder müssen es können. Sonst sind sie keine echten „Männer.“
- Durch Sixpackoptik, die das Maß aller zu sein hat, damit „Frauen“ genommen werden können. Denn nur daran denken „Männer“.
- Weil der gemachte „Mann“ seine Welt lenkt wie „er“ sie sich denkt und nicht gelenkt wird. „Er“ ist die Welt … oder eben eine bemittleidenswerte Ausnahmefigur.
Huch. Das hat ja fast schon kritisches Potential. Naja vielleicht doch nicht. Aber es zeigt irgendwie schon die strukturelle Macht dieser patriarchal durchdrungenen Welt auf.
Und: „Wir“ werden gemacht. Ein oft unausgesprochenes „wir“ wird produziert.
- Durch die Anwesenheit von Ausnahmefiguren, die allein durch diese Stellung in den Bildern und Botschaften „unsere“ (unterstellte) westeuropäische, weiße, heterosexuelle, einzig „Mann/ Frau“ Identität begründen sollen.
Soll heiszen: people of colour, transgender, queers, Alte, Menschen mit Behinderung und Leute, die nicht immer gleich getrimmte Körper haben werden als „Das Andere“ inszeniert und festgeschrieben. Selbst wenn dabei scheinbar positiv Bezug genommen wird, ist es immer die Herausstellung vom „Normalen“ separierter Lebensrealitäten. Dadurch wird „Das Andere“ und „Das Normale“ ständig neu geformt bzw. auf die alte – rassistische; homo-, trans*phobe und lookistische Weise neu festgezurrt.
Das ist die offensichtliche Seite. All diese Mechanismen greifen auch unmittelbar dadurch, dass people of colour, transgender, queers, Alte, Menschen mit Behinderung und Leute, die nicht immer gleich getrimmte Körper haben bei den meisten medialen Diskursen überhaupt gar nicht vorkommen. Auch eine Art westeuropäische, weiße, heterosexuelle, einzig „Mann/ Frau“ „Identität“ zu schaffen. Und diese greift durch ihre Unterschwelligkeit wohl noch tiefer.
1 Kommentar zu “Körpernormen, Rassismus, Objektivierung”